Das Wir-Ding

Kleines Mädchen vor einer alten Scheune.

Gefühlt waren wir im Neubau 40 Kinder, in jedem Alter. Wir haben viel zusammen gespielt. Es gab vor dem Neubau eine Schaukel, da habe ich als Kind Tag und Nacht geschaukelt. Irgendwann haben wir Kinder mal in der Mühle tapeziert. Als es regnete ist die Tapete wieder abgefallen. Aber egal. Wir haben aus Schuttkuhlen alte Möbelteile hingeschleppt. Wir hatten auch ein Michael Hansen Poster aufgehängt (Denn du bist wie ein Sonnentag). Das war alles so ein Wir-Ding. Wir haben uns auch immer mal Ärger eingehandelt, weil wir uns irgendwo einen Hocker „ausgeliehen“ hatten.

Sieben Kinder verkleidet beim Fasching.
Kindergartenkinder beim Fasching

Am Kornspeicher haben wir eine Hütte gebaut. Die wurde immer größer, weil wir immer mehr Bretter dran gemacht haben. Das war unsere Welt. Wir waren immer alle zusammen. Den ganzen Sommer haben wir gefühlt am Dorfsee verbracht. Da gab es eine Liegewiese und einen Sprungturm. Da habe ich Schwimmen gelernt. Im Winter waren wir auf dem See Schlittschuhlaufen.

Kindergarten Luckow
Kindergarten Luckow

Ich konnte schon ziemlich gut schwimmen. Ich war ja schon in der dritten oder vierten Klasse. Aber ich hatte Schiss vor dem Grund des Sees, deshalb traute ich mich nicht rein. Eckhardt Chomek, einer der großen Bengels hat das mitgekriegt. Da hat er mich geschnappt. Der See war zu dieser Zeit schon sehr flach. Eckhardt Chomek konnte einfach hindurchlaufen. Auf jeden Fall hat mich Eckhardt bis zur Mitte des Sees getragen und plötzlich losgelassen. Da musste ich sehen, wie ich klar kam. Es hat funktioniert. Ab da konnte ich schwimmen.

Schließlich sind wir nach Casekow gezogen. Das war schlimm. Ich wollte hier nicht weg, Luckow war mein Leben.

Verkleidete Kindergartenkinder aus dem Jahr 1974.
Kindergarten Luckow 1974

Erzählt von Beate Tempel, geb. Koch.
Aufgeschrieben von Doreen Kuttner.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Ähnliche Beiträge

Ausklingeln

In den 50er Jahren gab es noch jede Menge Kneipen, aber keine Schaukästen, um wichtige Nachrichten für das Dorf zu verbreiten. Deshalb wurden die Schulkinder gefragt. Die Kinder meldeten sich freiwillig und verdienten sich damit ein kleines Taschengeld. Sie bekamen im Gemeindebüro eine Glocke und einen Zettel mit der Nachricht.

Weiterlesen »
Zu sehen sind jugendliche Erwachsene bei einem Ausflug an die Ostsee.

Die Großbauern

Lange Zeit war Luckow ein reiches Bauerndorf. Luckow war bekannt für seinen guten Boden. Vor dem zweiten Weltkrieg gab es 18 Großbauern in Luckow mit einem durchschnittlichem Besitz von 62 ha. Die Bauern bauten vor allem Zuckerrüben, Kartoffeln und Weizen an. Sie hatten Pferde, Kühe, Schafe, Schweine, Gänse und Hühner.

Weiterlesen »
Das Dorf bei Nacht.

Der Reiter ohne Kopf

„Am Kreuzweg hinter Luckow nach Penkun soll des Nachts ein Reiter ohne Kopf erscheinen.“ (Sagenhafte Uckermark, Verlagsbuchhandlung Ehm Welk) Luckow war bis ins 19. Jahrhundert das Bauerndorf von Penkun. Der Schlossherr von Penkun war auch der Besitzer von Luckow. Der heutige Hohlweg hinterm Strümmel war lange Zeit die Hauptverkehrsstraße zwischen

Weiterlesen »