Der Todtläger

Der Todtläger früher
Der Todtläger früher

„Am Dorfausgang nach Petershagen liegt am Fuße des Tuleier Berges ein See, der im Volksmund ‚Totleger‘ genannt wird. In der Franzosenzeit soll da ein Mann in ein mit Nägeln ausgeschlagenes Fass gesteckt und den Tuleier Berg hinabgerollt worden sein. Als das Fass unten am See ankam, lag der Mann tot im Fass. Seit dieser Zeit nennt man den See Totleger.“
So steht es in: Sagenhafte Uckermark, Verlagsbuchhandlung Ehm Welk.

Die Geschichte ist interessant, aber nicht sehr überzeugend, wenn man die Franzosenzeit mit Napoleon verbindet. Denn schon auf einer Karte von 1693, also lange vor Napoleon, heißt der See Todtläger und das Feld dahinter Todtläger Feld. Vielleicht hat auch jemand das Märchen von der Gänsemagd (Grimm) mit dem See verbunden. Auch da wird jemand in ein mit Nägeln ausgeschlagenes Faß gesteckt. Gruselig.

Aber es ist wohl doch glaubwürdiger, dass der See eine nasse, tiefe Bruch- oder Moorstelle war, in der jedes Lebewesen zu Tode kam und so seinen Namen bekam.

Der Todtläger im Februar 2025
Der Todtläger im Februar 2025

Wie auch immer, in letzter Zeit war der Todtläger tatsächlich nur noch ein toter See. Von Jahr zu Jahr hatte er weniger Wasser. Schließlich entschied die Gemeinde, den See ausbaggern zu lassen, zu renaturisieren. Es sieht nicht so aus, aber die tiefste Stelle soll jetzt drei Meter tief sein. Der See konnte nicht endlos ausgebaggert werden, denn die Lehmschicht muss erhalten bleiben, damit der See nicht verschwindet. Das Schilf wuchs aber schon durch die Lehmschicht, weshalb es nicht restlos beseitigt werden konnte. Der historische Mittelsteg wurde erhalten. Das Rohr von der Quelle zum See wurde allerdings beschädigt und nicht wieder repariert.

Der Todtläger nach dem Ausbaggern, 2023
Der Todtläger nach dem Ausbaggern, 2023, Foto von Hermann Wiesing
Der Todtläger von oben, 27. Februar 2025
Der Todtläger von oben, 27. Februar 2025, Foto von Hermann Wiesing

Früher führte einmal ein Weg um den See herum. Auf der Seite der Quelle gab es die Bleichwiese. Die Wäsche wurde im See gewaschen und dann zum Trocknen und Bleichen auf die Wiese gelegt. Die Wiese war von einer Mauer umgeben und von Kopfweiden umrahmt. Elke hat als junges Mädchen oft ein Schaf auf die Wiese geführt. Sie kann sich auch daran erinnern, dass ihre Oma sich dort schwarze Erde für ihre Geranien geholt hat. Auf Platt klingt das so: „Min Großmutter secht to mi: Go mal to ‚t Erd. Ik müt noch Geranien ümpott’n.“ Viele Dorfbewohner haben dort die Erde für ihre Topfpflanzen geholt, es gab ja noch keine Baumärkte wie heute.

Heute unvorstellbar: Noch Ende der 50er Jahre hatte die Fischereigemeinschaft Gartz/Oder den Todtläger regelmäßig abgefischt und die Fische auch in Luckow verkauft.

Und noch ein Tipp: Sag niemals Todtläger See! Dann wissen alle, du hast keine Ahnung. Es heißt Todtläger.

Der Todtläger in den 60er Jahren
Der Todtläger in den 60er Jahren

Ähnliche Beiträge

Gastwirtschaft Herrmann Meyer

Milchmädchen

1879 begann der Berliner Unternehmer Carl Bolle Berlin mit Milch zu versorgen. Die Stadt expandierte und hatte einen großen Bedarf an Milchprodukten. Zuerst nutzte die Meierei Carl Bolle nur eigene Kühe, doch dann wurde auch Frischmilch aus den Dörfern in einem Umkreis von 200 km bezogen. Das war kein Problem,

Weiterlesen »
Ein Schmetterling, ein Admiral auf einer Blüte

Damals war’s

Nach dem 2. Weltkrieg kam eine junge Hebamme aus Berlin in den damaligen Landkreis Randow, um die Mütter bei den Geburten zu begleiten und den jungen Uckermärkern auf die Welt zu helfen. Die junge Hebamme verliebte sich in einen Luckower Bäcker- und Müllersohn. Sie heirateten und die junge Frau wohnte gemeinsam

Weiterlesen »
Apfelblüten

Frauentag

Die Vereinsfrauen haben am 12. März in der alten Schmiede Frauentag gefeiert. Es gab leckeres Essen, Sekt und Wein. Wir haben gesungen und gequatscht. War sehr schön. Aber im nächsten Jahr wollen wir tanzen, bis in den Morgen.

Weiterlesen »